Kino

Ziemlich beste Freunde

Die Komödie „Ziemlich beste Freunde“ erzählt die wahre Geschichte einer Freundschaft, die gesellschaftliche Schranken überwindet. Sascha Westphal weiß in „Unsere Kirche“ mehr über den Überraschungserfolg aus Frankreich.

Seit Wochen ist der Film auf dem ersten Platz der Kinocharts. Bei Gesprächen in Cafés, im Zug oder beim Spaziergang kann man hören, dass sich Menschen jeden Alters über diesen Film unterhalten. Die meisten sind sich einig: Der Film ist gut. Sehr gut. Lustig, ernst und eine Hommage an die Freundschaft.
Selbst in manchen Gottesdienst hat es der Film schon geschafft. Zum Beispiel in den der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Bielefeld. „Wir haben den Film nicht gezeigt, sondern Szenen aus dem Film erzählt“, sagt Uwe Moggert-Seils, ehemaliger Pastor der Gemeinde, der sich als Gemeindeglied engagiert. „Der Film zeigt, wie sich Menschen verändern können, wie sie zu einer neuen Sicht der Dinge finden“, so Moggert-Seils. „Unser Thema war Jesu Aussage: Seht, das Reich Gottes ist nah. Der Film zeigt, wie Reich Gottes unter Menschen aussehen kann.“ Ein Kinobesuch lohnt.
„Ziemlich beste Freunde“ von Olivier Nakaches und Eric Toledanos basiert auf realen Ereignissen. Wäre das nicht so, würde man ihn als realitätsfernes Märchen abtun müssen – schon ein kurzer Blick auf die Verhältnisse in Frankreich reicht aus. Schließlich spricht nicht nur Nicolas Sarkozys Politik der Ausgrenzung gegen die Möglichkeit einer engeren Beziehung oder gar einer Freundschaft zwischen einem reichen weißen Aristokraten und einem schwarzen Kleinganoven, der als kleiner Junge aus dem Senegal in eine der trostlosen Pariser Vorstädte gekommen ist.
Dem Hinweis zu Beginn des Films auf die tatsächliche Begebenheit folgt eine irrwitzige Verfolgungsjagd durch das nächtliche Paris. Einfach zum Spaß rasen Driss (Omar Sy) und der querschnittgelähmte Philippe (François Cluzet) mit dessen Maserati über die Pariser Straßen und erregen damit die Aufmerksamkeit der Polizei. Driss wettet daraufhin, dass er die Verfolger abschütteln kann. Als ihm das nicht gelingt, schlägt er seinem Begleiter gleich noch eine zweite Wette vor.
Auf diesen wahrhaft rasanten Einstieg, der die beiden schon als Komplizen und Freunde zeigt, folgt erst einmal ein Sprung zurück in der Zeit. Driss ist gerade aus dem Gefängnis gekommen, nun muss er sich mehrfach um einen Job bemühen, sonst bekommt er keine Sozialhilfe. Deswegen will er sich im Stadtpalast von Philippe, der einen Betreuer sucht, eigentlich nur eine weitere Absage holen.
Doch so einfach macht es ihm der vom Hals abwärts gelähmte Multimillionär nicht. Etwas an der schnodderigen Art des Schwarzen weckt Philippes Interesse. Also schlägt er vor, er solle den Job für einen Monat auf Probe annehmen. Danach würde er seinen Stempel für die Sozialhilfe bekommen.
Gezielt arbeitet der Film mit Klischees und Übertreibungen, so wird sowohl Driss’ wie auch Philippes Milieu mit nur wenigen sarkastischen Strichen gezeichnet. Vor diesem deutlich überzeichneten Hintergrund gewinnen die beiden ungewöhnlichen Freunde umso klarere und stärkere Konturen. Omar Sy und François Cluzet erfüllen sie mit Leben und Widersprüchen, die alle eins versprechen: Menschen sind durchaus in der Lage, über sich und ihre Herkunft hinauszuwachsen und dabei alle gesellschaftlichen Gräben zu überwinden.

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